Was ist der Unterschied zwischen Polarität und Dualität? Diese Begriffe darfst du nicht gleichsetzen, denn sie erklären nicht dasselbe. Polarität enthält den Begriff „Pol“: Elektrizität besteht also aus zwei Polen, die nicht ganz zu trennen sind und sich gegenseitig benötigen. Ebenso hat eine sich drehende Kugel zwei Pole. Bei der polaren Einheit von Nordpol und Südpol einer Kugel oder beim positiven und negativen Pol der Elektrizität ist klar, dass hier gleichwertige Gegenteile gemeint sind, wo es kein Gut und Böse gibt – im Gegensatz zur Dualität, die entsteht, wenn ein natürliches Gleichgewicht gebrochen wird. Hieraus kannst du folgendes ableiten:Das Prinzip der Polarität

Polarität: die Zweiheit von gleichwertigen, sich gegenseitig ergänzenden Polen, gründend im natürlichen Gleichgewicht der göttlichen Ordnung. Polarität ist das Grundprinzip der göttlichen Schöpfungsdynamik und ist Ausdruck der ursprünglichen Harmonie der materiellen Welt. Die Grundaspekte der Polarität sind Raum und Zeit, „positiv“ und „negativ“, Yin und Yang, männlich und weiblich, Schöpfung und Auflösung, Sonne und Mond, Tag und Nacht, usw. Die Polarität als Grundprinzip der göttlichen Schöpfungsdynamik zeigt sich auch im Ein- und Ausatmen.

Dualität: die Zweiheit von gegenteiligen, sich gegenseitig ausschließenden Gegensätzen, die verursacht wird durch Spaltung, Trennung und Einseitigkeit. Dualität entsteht, wenn jemand den göttlichen Mittelweg verlässt und das in der Schöpfung angelegte Gleichgewicht bricht. Weil Dualität mit der Spaltung und Störung eines natürlichen Gleichgewichts zusammenhängt, hat sie immer zwei Aspekte: das Zuviel und das Zuwenig.

Die Dualität darfst du also nicht als „ein Ganzes“ betrachten, sondern nur differenziert: Das Böse ist das Gegenteil des Guten, aber das Gute ist nicht einfach das Gegenteil des Bösen. Das Gute definiert sich nicht durch sein Gegenteil, sondern durch seine Erfüllung mit der göttlichen Ordnung. Mit anderen Worten: Das Gute kann aus sich selbst heraus existieren, das Böse hingegen ist eine Verneinung der göttlichen Ordnung und führt als spaltende Kraft in die eine oder andere Form von Einseitigkeit, bis in die Extreme. Irrtum ist verfehlte Wahrheit, aber Wahrheit ist nicht einfach ein verfehlter Irrtum. Hass ist Mangel an Liebe, aber Liebe ist nicht einfach ein Mangel an Hass. Krieg ist Abwesenheit von Frieden, aber Friede ist nicht einfach Abwesenheit von Krieg.

Die Ansicht, Gut und Böse seien als „Polarität“ untrennbar miteinander verbunden, führt zu einer Rechtfertigung des Bösen („das Böse fördert das Gute; ohne das Böse gäbe es nichts Gutes“, „Liebe könne nicht ohne Hass existieren und ohne Hass gäbe es keine Liebe.“ „Ohne Lüge gäbe es keine Ehrlichkeit.“ „Ohne Dunkelheit gäbe es kein Licht!“) und entspringt einem einseitigen, halbwahren Verständnis. Dies sind reine Selbstrechtfertigungen des Bösen und tendieren dazu, ein Sprachrohr für eine halbwahre Weltansicht zu sein. Aber diese Sichtweise ist völlig falsch!

Das Böse hat noch nie etwas Gutes geschaffen, so wie Dunkelheit noch nie Licht hervorgebracht hat. Es sind einzelne Menschen, die für sich in einer Situation des Bösen das Gute, d.h. den göttlichen Sinn, erkennen. Dieses Gute wurde aber nicht vom Bösen geschaffen, sondern von jenen Menschen, die sich vom Bösen nicht beeinflussen und brechen ließen.

Was in dieser Formulierung „hier auf diesem Papier“ so klingt, hat in der praktischen Übersetzung äußerst konkrete und aktuelle Bezüge. Denn wie eingangs erwähnt: Der Bewusstseins-wandel, der heute auf allen Ebenen notwendig geworden ist, kann nur geschehen, wenn die Menschen die vorherrschenden Spaltungen und Einseitigkeiten als solche erkennen und durch ein neues, spirituelles Unterscheidungsvermögen überwinden.

All die Halbwahrheiten, die besagen, es gebe kein Unrecht und keine Schuld, Gut und Böse seien untrennbar verbunden und gegenseitig abhängig und so weiter, behalten die Menschen in der Spaltung und Dunkelheit – auch wenn diese Dunkelheit für „Licht“ und „Erleuchtung“ gehalten wird –, weil sie das Auflösen dieser Halbwahrheiten verhindern. Denn wenn jemand diese Halbwahrheiten wirklich glaubt, wie will er dann seine Schuld erkennen, Reue empfinden und einsehen, dass das, was er getan hat, ein Unrecht war und eine Wiedergutmachung erfordert?

Die Kettenreaktion von Täter und Opfer geht so lange weiter, bis die beteiligten Personen freiwillig aus dem Teufelskreis von Schlagen und Zurückschlagen aussteigen und als „Opfer“ das Geschehene verzeihen und loslassen bzw. als Täter das Geschehene bereuen und wiedergutmachen.

Denke einmal nach. Es gibt kluge, schnelle, schöne und große Menschen. Es gibt richtig und falsch, dick und dünn, hart und weich und vieles mehr. Aber woher weiß der Kluge, dass er klug ist? Der Schnelle wüsste nicht, wie schnell er ist, wenn es nicht jemanden gäbe, der langsamer ist. Wenn du mich fragst: „Habe ich alles richtig gemacht?“, kann ich es auch nur erkennen, wenn es auch Falsches gibt. Aber ist Falsches auch wirklich falsch?

Selbst Angst und Liebe sind nicht von einander getrennt, sondern sind eins – aber du kannst dich für das eine oder andere entscheiden. Denn selbst wenn du Angst in dir trägst, hast du auch die Kraft zu lieben und die Angst damit zu verändern. Auch dünn und dick ist nicht wirklich getrennt, sondern beschreibt lediglich den Zustand einer gewissen, veränderbaren Sache. Versuche zu unterscheiden: Letzte Woche zum Beispiel warst du unglücklich. Kannst du genau den Augenblick erkennen, in dem du unglücklich wurdest? Kannst du eine Linie ziehen: Pünktlich um 9.30 Uhr bin ich unglücklich geworden? Nein, du kannst es nicht. Wenn du genau überlegst, wirst du feststellen, dass solche Momente nicht genau greifbar sind. Vielleicht ist es dir entgangen, weil du nicht bewusst genug warst, aber jetzt bist du unglücklich und irgendwann wirst du wieder glücklich werden, weil der Geist nicht ewig in ein und demselben Zustand verharren kann. Du kannst nicht anders. Selbst wenn du beständig unglücklich bleiben möchtest, kannst du es nicht. Das heißt, dass Glück und Unglück nicht zweierlei sind. Darum kannst du keine Unterscheidung treffen. Beides verschmilzt ineinander, vermischt sich, die Grenzen verfließen. Aber durch deinen freien Willen kannst du dich in der Dualität für das eine oder andere entscheiden.

In der Polarität hingegen gibt es diese freie Wahl nicht. Denn die verschiedenen Polaritäten haben gar keine Grenzen, beides ist wie eine Welle, wie Berg und Tal. Das Tal folgt dem Berg, die Welle kommt und das Wellental folgt der Welle. Wo beginnt der Berg? Und wo endet das Tal? Nirgendwo! Sie sind eins! Es ist dein Verstand, der sagt: Dies ist das Tal und dies ist der Berg. Kann man einen Berg ohne Tal haben? Kann man ein Tal ohne Berg haben?

In einem Wettbewerb, in dem zwei Menschen so schnell wie möglich das Ziel erreichen wollen, haben schlussendlich beide dasselbe gemacht und sind sich im Erreichten gleich, auch wenn einer von beiden schneller gewesen sein mag. Aus dieser höheren Betrachtung heraus siehst du die Sache als Ganzes. Dass der eine schneller war als der andere hat mit dem großen Ganzen nichts zu tun, sondern beschreibt nur, in welcher Zeit er es erreicht hat. Aber Zeit hat aus höherer Sicht keine Bedeutung. Nur was man tut und wie man es tut, hat Bedeutung. Die Zeit beschreibt nicht, was die beiden gemacht haben, sondern nur, wie lange sie für das Erreichen des Ziels benötigten.

Selbst stark und schwach sind nicht unterschiedlich, sondern nur die gleichwertigen Gegensätze von ein und derselben Sache – der Kraft. Selbst schwer und leicht sind nur Beschreibungen des Gewichts. Wenn du Fieber hast, so kommt deine Mutter mit dem Thermometer. Gibt es auf dem Thermometer einen Punkt, wo Hitze aufhört und wo Kälte beginnt? Nein, er beschreibt uns nur unterschiedliche Zustände der gleichen Sache. Genauso wie Licht und Dunkel. Wo sehen wir beim Sonnenaufgang, wann es hell wird und wann es noch dunkel ist?

In der Dualität ist jede Wahrheit halb falsch. Wahrheit und Lüge sind wie zwei Seiten einer Medaille, wobei die göttlichere davon eine höhere Schwingung besitzt und durch die freie Wahl veränderbar und dominanter ist. Alles was wir tun und denken, hat zwei Seiten, genauso wie jede Wurst zwei Enden hat. Aber letztendlich doch eine Wurst bleibt. Das eine Ende ist nur eine Beschreibung in Bezug zum anderen und in der Polarität gleichwertige Enden. Aber getrennt sind diese nicht.

Wie der Himmel von der Erde oder das Große nicht vom Kleinen getrennt ist. Wie dein eigener Körper und Seele zusammen eins sind, gehören auch dein Verstand und dein Herz zusammen. Genauso ist auch das Meer, nicht vom einzelnen Tropfen getrennt, und wir auch nicht von unserem Schöpfer. Wir sind zwar nicht der Schöpfer, aber der Schöpfer ist in uns. Wir gehören zusammen. Wir sind eins. Wir sind.

Setze dir Ziele. Wähle die göttlichere Seite aus. Konzentriere dich mit deinem Herz und deinem Verstand auf diese Seite der Medaille. Gebrauche deinen Verstand und höre auf dein Herz. Wenn beide zusammen am selben Strick ziehen, wirst du selbst zum Schöpfer. Du wirst selber zur Ursache deiner eigenen Wirkung. Eben weil du dich bewusst auf die eine Seite konzentrierst, beeinflusst du diese.

Was du dir von ganzem Herzen wünschst, wird dich an dein Ziel bringen. Du darfst dein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Nicht nur darauf hoffen, denn die Hoffnung kann ein Traum sein. Es darf für dich nur die Wahrheit existieren. Nichts kann dir misslingen, wenn du nicht „nur“ den Erfolg im Kopf hast und nichts kann dich enttäuschen, wenn du nicht „nur“ der Zukunft entgegen schaust. Sei wach, sei dir der Gegenwart voll bewusst. Beobachte, mach die Augen auf, sieh hin! Schlafe nicht, sei hier und jetzt geistesgegenwärtig! Die Zukunft ist Teil des Jetzt!

Es geht also nicht darum, das Richtige zu tun, sondern es geht darum, das Richtige zu sein. Wenn du einen Aufsatz schreibst, dann tust du das nicht für deinen Lehrer, sondern du tust es für dich! Nicht die Note, die du dafür bekommst, ist entscheidend, sondern dass du dir für das Erreichen deines Ziels Mühe gegeben hast. Denn auch die Note ist nur die eine Seite der Medaille und somit halbwahr oder halbfalsch. Auch wenn du eine weniger gute Note von deinem Lehrer bekommen solltest, so ist dies die Meinung deines Lehrers. Und wenn du weißt, dass du dir sehr viel Mühe damit gegeben hast und eine gute Note verdienst, dann konzentriere dich genau darauf!

Du musst auf das, was du fühlst, denkst und sagst achten, denn durch diese Dinge kommen deine Handlungen überhaupt erst zustande. Damit ist das eine auch wieder nicht vom anderen getrennt. Und wenn du lernst, dass dein Kopf-Denken mehr auf dein Gefühl hört und du dich entscheidest, ein ganz besonderer Mensch zu sein, dann bist du es auch. Sofort!

(Quelle: «Buch des Lebens» von Alexander Glogg und Nicole Lehmann • www.buch-des-lebens.ch)

Hier als PDF Datei zum Download: Das Prinzip der Polarität